Frankfurt und die Indiskretion der Fotos

Von Herbert Heckmann

Es gibt nur eine sichere Grundlage für alle Kulturen: Das ist die leidenschaftliche Liebe zum Heute und Hier, zu unserer Zeit, zu Frankfurt, wie es lärmt und ist, die Liebe zum Augenblick. Die Kamera von Alexander Englert zerpflückt die Stadt in unendlich viele Augenblicke, und diese Augenblicke enthüllen die Dramatik, die im hektischen Kontinuum der Stadtzeit kaum spürbar wird. Die Uhren gehen stumm, und nur das verhaltene Zeigerrücken verrät sie. Die Zeit ist eine Raubkatze.

Der Fotograf weiß, daß das Leben in der Stadt ein großes Schauspiel ist, das sich selbst spielt – eine Mischung aus Improvisation und Stichworten, ein Schauspiel, das jeden, aber auch jeden, zum Akteur überlistet, selbst die Kulissen. Es gibt keinen Spielverderber. Frankfurter spielen Frankfurt, ob sie es nun wollen oder nicht. Dabei ist ihnen die Stadt mehr als nur prägende Kulisse. Sie verwandeln sie, krempeln sie um, sie sind ausgepichte Kulissenschieber. Bauzäune umrahmen schon die Zukunft. Gruben suchen neue Ziele.

„Des muß weg!“
„Des muß hin!“

Durch die Augen weckt die Reklame den Hunger, und das Kribbeln wächst bis in die Lenden. Die Sehnsucht will dem Augenblick entfliehen. Immer ist man auch der Zeit voraus. Die Hoffnung macht den Augenblick erträglich. Morgen hat ein schönes Kleid, feste Schuhe, die den Tritt zum Auftritt machen, Lidschatten,